Einleitung

 

Wachkoma, vegetative state, unresponsive wakefulness syndrome, minimally conscious state, coma vigile –

 

mit diesen Begriffen werden in der Medizin Menschen beschrieben, die durch ein schweres Schädel-Hirntrauma, eine Hirnblutung oder eine Sauerstoffunterversorgung (z. B. während einer Reanimation) in einen besonderen Bewusstseinszustand gekommen sind.

 

Der Begriff Wachkoma hat sich in den letzten Jahren im deutschen Sprachgebrauch immer mehr als Synonym für ein sehr komplexes Krankheitsbild durchgesetzt. Durch die Diskussionen in Deutschland zu Patientenverfügung, Hirntod und Organverpflanzung sowie weltweit über einen Nahrungsentzug bei Betroffenen mit dem Ziel der absichtlichen Herbeiführung desTodes (z. B. Tony Bland, Großbritannien / Terri Schiavo, USA / Peter K., Deutschland) ist er immer wieder in aller Munde.

 

Vergleicht man die verschiedenen Aussagen, zeigt sich deutlich, dass sowohl über das zugrundeliegende Krankheitsbild, als auch über dessen Verlauf und Prognose national und international verschiedenste Meinungen herrschen und seine Bewertung bei weitem nicht so einheitlich ist, wie die Diskussion und der in letzter Zeit einhellige Gebrauch des Terminus Wachkoma zu suggerieren vermag.

 

Auf den folgenden Seiten findet sich viel Text – einzelne Bausteine, die vielleicht Informationen und Hilfe zur Orientierung bieten.

 

Die Musiktherapie als eine zwischenmenschliche, nonverbale Kommunikationsform kannFakten aufweisen, die wissenschaftlich haltbar sind und neue Erkenntnisse aufzeigen.

 

Seit 1997 arbeite ich im Haus Königsborn, das zum Lebenszentrum Königsborn in Unna gehört, ausschließlich mit Menschen, die zur Phase F der neurologisch-neurochirurgischen Rehabilitationskette gehören. Hier habe ich meinen Ansatz zur Musiktherapie mit Menschen im Wachkoma entwickelt und meine Studien im Jahre 2004 in einer Promotion zum Thema „Begegnung mit dem Bewusst-Sein von Menschen im Wachkoma“ auf eine wissenschaftliche Basis gestellt (Medizinische Fakultät an der Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Qualitative Forschung in der Medizin, Prof. Dr. David Aldridge). Die damaligen Erkenntnisse haben sich in der Folgezeit bestätigt und werden auf der Basis von inzwischen weit mehr als 19000 Therapien immer wieder modifiziert.